Die Sache mit der Selbstfindung und der Investitionen

Ich hatte jetzt also alles, was ich für meinen Start brauchte. Doch wie kam ich jetzt eigentlich an Kunden? Ohne Kunden würde mir das alles natürlich nichts nutzen. Der insgeheime Wunsch, dass einem die Kunden einfach so zugeflogen kommen, erfüllte sich leider nicht :-) ich fragte also Mr. Google und kam schon bald auf eine Idee: Messen! Ok, schön und gut, aber Messen kosten meistens nicht gerade wenig Geld – Geld, das ich nicht hatte.

Trotzdem empfand ich die Idee als gut und recherchierte nach Messen, die möglichst günstig sind. Ich stieß auf den „Werdenfelser Design-Gipfel“ in Garmisch-Partenkirchen, der schon bald stattfinden sollte. Das hörte sich doch nach einer guten Möglichkeit an! Ich meldete mich kurzerhand an und bezahlte nur einen ganz geringen Betrag dafür. Meine erste „Messe“! Ich war happy. Aber – wie soll eigentlich mein Stand aussehen? Außer Broschüren und Visitenkarten hatte ich nichts, mit dem ich meinen Stand hätte ausschmücken können. Ich gestaltete mir also zwei Roll-Up-Banner mit meinem Logo und meinen Leistungen darauf und gab diese ebenso bei einer guten Online-Druckerei für Großformate in den Druck. Puh, da ging im Vergleich zur Messeanmeldung ganz schön viel Geld dafür drauf! Aber gut, zumindest war ich jetzt weitgehend ausgestattet. Mein Papa bastelte mir mithilfe seiner Fräse noch einen Tablet-Halter aus Acrylglas, an dem ich auch meine Visitenkarten unterbringen konnte. Auf dem Tablet konnte ich dann ein paar meiner wenigen bisherigen Referenzen als Diashow durchlaufen lassen. Ich fühlte mich bestens vorbereitet.

Als wir am Tag des Designgipfels am Veranstaltungsort ankamen, bauten wir erst mal alles auf. Naja, viel gab es da ja nicht zum Aufbauen, weshalb wir im Vergleich zu den anderen Ausstellern sehr schnell fertig waren. Bevor die Besucher reingelassen wurden, sah ich mich nochmal ein bisschen um. Von handgemachtem Schmuck über selbstgestrickte Pullover und Mützen bis hin zu handgefertigten Holzskulpturen war alles vertreten – nur absolut nichts, das nur annähernd mit meinem Gebiet – dem elektronischen Design – zutun hatte. Auf einmal überkam mich das Gefühl, dass wir hier total fehl am Platz waren. Was für ein Dilemma! :-) aber gut, nun war ich da und wir zogen es natürlich trotzdem bis zum Ende des Tages durch. Wie vermutet, interessierten sich die meisten Besucher für das Handgemachte. Dennoch gab es viele, die an meinem Stand stehen blieben und sich kurz näher anschauten, was ich anzubieten hatte. Ein paar davon nahmen sogar meine Broschüre mit. Am Ende der Veranstaltung kam noch ein etwas älterer Herr auf mich zu, der als Aussteller seine Tiertrpophäen präsentiert hatte. thumb_IMG_1564_1024Er brauchte eine neue Schaufensterbeklebung und würde das gerne über mich machen lassen. Bingo! Mit diesem einen Auftrag hatte ich die Standkosten des Gipfels wieder reingeholt. Auch, wenn ich nicht viele Aufträge mit nach Hause genommen hatte, war eines trotzdem positiv: Die Menschen reagierten auf mein Logo – es weckte kurze Zeit Interesse, sodass sie es sich näher ansahen. Manche nahmen eine Broschüre mit – ein besseres, indirektes Feedback hätte es für mich in diesem Moment nicht geben können.

Einige Wochen später stieß ich durch Zufall auf die Hochzeitsmesse in Weilheim. Die Messe war etwas größer, hatte deutlich mehr Aussteller und recht viele Besucher. Allerdings war sie auch deutlich teurer. Doch das war es mir wert – irgendwie musste ich ja nun endlich mal an ein paar Kunden kommen :-) und zudem war es keine reine Hochzeitsmesse, sondern auch eine Eventmesse. Wer weiß, vielleicht sind ja unter den Besuchern tatsächlich die ein oder anderen Selbstständigen? Ich musste es einfach probieren. Also meldete ich mich als Aussteller an. Für diesen Stand brauchte ich aber noch etwas mehr Ausstattung, da er größer war als der letzte. Also investierte ich wieder in Messeausstattung – ich brauchte eine Tischdecke mit meinem Logo und Beispiele für Hochzeitskarten in gedruckter Form. Bestens gerüstet kam ich also am besagten Tag auf der Messe an. Das Gefühl, hier richtig zu sein, war dieses Mal viel stärker. Die Resonanz war auch wirklich positiv, vorallem, weil der Veranstalter selbst die Werbetrommel für mich schlug. Ich danke ihm bis heute sehr dafür – Hochzeitsmesse-Weilheimdenn eigentlich hatte er mich noch nicht lange gekannt und schien von meiner Leistung schnell überzeugt gewesen zu sein. Der Tag verging und ich hatte diesmal ein viel besseres Gesamtgefühl. Einen Auftrag hatte ich durch diese Messe tatsächlich auch generiert – was für ein Erfolg! :-) Ein paar Monate später musste ich allerdings auch hier wieder feststellen, dass sonst keine Aufträge dadurch reingekommen waren und ich die entstandenen Kosten nicht wieder reingeholt hatte.

Tatsächlich probierte ich es dann nochmal auf zwei weiteren Hochzeitsmessen in Neusäß und Füssen  – es verlief bei beiden Messen ähnlich wie bei meiner ersten Hochzeitsmesse. Es war frustrierend – jetzt hatte ich insgesamt schon so viel Geld für diese Messen investiert und sie haben mir im Endeffekt so gut wie nichts gebracht. Ich musste einfach feststellen, dass dort nicht die Zielgruppe vertreten ist, die meine Dienstleistungen wirklich braucht. Also schwor ich mir, dass ich in Zukunft keine Hochzeitsmessen mehr als Aussteller besuche. Und Messen im Allgemeinen nur noch, wenn dort wirklich meine Zielgruppe vertreten ist. Denn mit der Zeit wurde mir klar, dass sich eine Zielgruppe besonders für meine Leistungen interessiert: Selbstständige, die gerade erst ihre eigene Firma gegründet haben und noch ganz am Anfang stehen, oder Einzelunternehmer mit einer kleinen Firma. Für diese Erkenntnis habe ich doch eine Weile gebraucht und auch viel Geld investiert – aber die Hauptsache ist, dass ich sie überhaupt bekommen habe :-)

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